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Ausstellung

"Wenn das WORT Bild wird"

Keramikkunst  von Sr. M. Caritas Müller OP, Cazis (CH)

13. März  - 1. Mai 2011

 

 

 

 

 

 

Wenn das WORT Bild wird

 

Gedanken zur Vernissage am 13. März 2011

Eröffnung der Ausstellung mit keramischen Werken von Sr. Caritas Müller OP, Cazis

im Diözesanexerzitienhaus St. Paulus, Leitershofen

 

 

 

Sehr geehrte, liebe Besucherinnen der Eröffnung der Ausstellung,

sehr verehrte, liebe Schwester Caritas,

 

Prolog

wenn das WORT Bild wird.

Fünf Wörter geben der Ausstellung, die wir heute eröffnen, den Namen.

Fünf Wörter, die ein lebendiges Geschehen umreißen. Lebensgeschehen.

 

Und das WORT hebt sich heraus. Siehe Ausstellungsplakat

Es führt uns zum Ursprung.

So haben Sie sicher auch an den Anfang des Johannesevangeliums gedacht,

an den Prolog. Im Anfang war das Wort

 

Die Dichterin Rose Ausländer nimmt diese Spur auf

 

Am Anfang

war das Wort

und das Wort

war bei Gott

Und Gott gab uns

das Wort

und wir wohnen

im Wort...

 

Wir wohnen im Wort

in dieses Wort müssen wir immer wieder einziehen, um dann darin zu wohnen.

Das Wort des Lebens muss Wurzel fassen und Gestalt gewinnen im Herzen eines

Menschen. So ist es geschehen bei Sr. Caritas Müller.

Ihr großes Anliegen ist die Botschaft, die Verkündigung. So hat sie mir den Auftrag gegeben, nicht über sie zu sprechen, sondern zur Botschaft hinzuführen.

Aber für diejenigen, die Sie, Schwester Caritas noch nicht kennen, darf ich drei Wendepunkte in ihrem Leben nennen, für mich im Bild des Schlüssels auszudrücken:

 

– mit 17 Jahren haben sie eine vierjährige Ausbildung an der Keramischen Fachschule in Bern begonnen. Eine Grundlage für ihr späteres Kunstschaffen mit Keramik wird im Rückblick sichtbar.

– danach sind sie ins Dominikanerinnenkloster in Cazis eingetreten, bis heute ihre Heimat

– ihre Priorin hatte im Kloster Fahr bei Zürich (Erinnerung an die erst jüngst verstorbene unvergessene Silja Walter Sr. Hedwig OSB ) Keramikarbeiten gesehen und ihnen gesagt, sie sollten sich die Werke ansehen und: sie sollten sich einen Keramikbrennofen anschaffen. Das Weihnachtsgeschenk 1975 für Sie, Sr. Caritas war eben der Keramikbrennofen.

 

Ja, und dann begann der Weg. Wenn das WORT zum Bild wird.

Die Brüder und Schwestern aus dem Orden der Prediger haben den Auftrag zu verkündigen. Dazu ist es nötig, zuerst im WORT zu wohnen und es dann weiterzugeben.

Am trefflichsten finde ich diesen lebendigen Vorgang im Wort des großen Dominikaners Thomas von Aquin ausgedrückt: Contemplata aliis tradere.

Das, was selbst betrachtet wurde, das was in die Beschauung einging, dann weiterzugeben. Ein Weg des Lauschens und Schauens vor allem Weitergeben.

 

Der hl. Bernhard von Clairvaux sagt es in seinen Worten:

 

Selig ist der, in dem das Wort ist,

der für das Wort lebt,

der durch das Wort bewegt wird.

 

Durch das Wort, liebe Schwester Caritas, lassen Sie sich immer wieder neu bewegen. Und dann geben Sie dem Wort Gestalt. Betrachten immer wieder

Begegnungen Jesu mit den Menschen und die Sehnsucht nach Leben. So ist es nicht verwunderlich, dass ihr erstes Werk das Gespräch Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen ist.

Im kirchlichen Stundengebet, das die Dominikanerinnen in Cazis aufmerksam und bewusst pflegen, heißt es in einem Hymnus zu diesem Wasser, das Leben spendet:

 

Du Wort, das der Vater spricht,

behältst deine Gottheit nicht

als Beute und Raub,

du springst in den Staub:

Du Leben, du Licht

wirst Mensch, der zerbricht,

da fließen die lebensspendenden Wasser des Heils.

Herr, gib uns zu trinken davon.

Dein Wort ist nicht irgendein Ton.

Es dringt in uns ein

wie Feuer, wie Wein:

Wer glaubt, der hat schon

das Leben im Sohn,

dem Urquell der lebensspendenden Wasser

des Heils.

(Hymnus aus dem Stundenbuch)

 

Wer der Verkündigung von Schwester Caritas begegnet, kann immer wieder neu die Geheimnisse des Lebens Jesu betrachten, die der hl. Ignatius in seinen Exerzitien als den entscheidenden Weg vorlegt. Wie passend, diese Ausstellung hier im Exerzitienhaus St. Paulus.

Sehr oft haben Sie, Schwester Caritas, den Barmherzigen Vater dargestellt, von dem Jesus erzählt. Diese Begegnung ist Ihnen ganz wichtig geworden und Sie haben erfahren, dass viele ganz unterschiedliche Menschen einen Zugang zu diesem Barmherzigen Vater gefunden haben und finden.

 

Die frohe Botschaft in Keramik.

Damit nimmt Sr. Caritas eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit auf.

Ich war sehr überrascht: 13000 v. Chr. gibt es dies Kunst in Japan und China.

Und seit dem 4. Jahrtausend vor Christus gibt es Töpferöfen, deren Brennprozess oberhalb 900 Grad liegt.

Ob der Töpferofen nicht auch ein Bild für den Glaubensweg sein kann, wo wir nicht ohne Gebranntwerden davonkommen? 

 

Ludwig Steinherr hat es prägnant ins Wort gebracht:

 

Glauben

Die Hand

ins Feuer legen-

Die Hand, die im Feuer liegt,

so

oder

so

 

Ich lege für Dich meine Hand ins Feuer. Für einen die Hand ins Feuer legen – ein anderer Ausdruck für: volles Vertrauen in einen Menschen setzen.

Liebe Schwester Caritas, wir hoffen natürlich, dass Sie noch lange in Ihrem Wirken den Ton ins Feuer des Brennofens legen und nicht die Hand. Die brauchen Sie noch.

 

 

Wenn das WORT Bild wird

Das Entscheidende ist, was beim Betrachten geschieht, was zwischen dem Werk und der Betrachterin, dem Betrachter sich ereignet.

Die erste Frage heißt also nicht: Was hat die Künstlerin damit sagen und ausdrücken wollen, sondern: wo, wie bewegt mich die Botschaft.

Es ist eine Ausstellung, die man nicht durcheilen kann. Es ist Zeit und Sammlung gefragt.

Von den vielen Möglichkeiten, die Ausstellung zu betrachten, möchte ich drei Spuren nennen:

 

Die erste: Die Grundhaltung des Empfangens, des Hörens, des Lauschens.

Ich kann es nicht trefflicher sagen als Gertrud Fussenegger:

 

 

Er wartet auf die Botschaft, schon lange.

Jemand hat ihm gesagt:

Sei wachsam, lausche,

halte dich still.

nd die Hand ans Ohr.

Irgendwo wird das Wort ausgesprochen,

irgendwo schlägt der Ton der Glocke an.

Irgendwann wird sich der Ton ausfiltern lassen

aus dem Geräusch des Windes.

Auf diesen Ton bist du gestimmt,

so lausche.

 

Gertrud Fussenegger (1912-2009)

 

 

Also: Sich beim Betrachten Zeit nehmen, innehalten und verweilen.

 

 

Ein zweiter Zugang:

Immer wieder findet sich in den Keramiken die Gemeinschaft, mehrere Menschen beisammen, eine Gruppe, das Miteinander.

Die Kirche als Schule der Gemeinschaft – inspiriert von den Dominikanerinnen von Cazis und ihrem Miteinander.

Wie wichtig für die Kirche in unseren Tagen: Gemeinschaft im Hören auf das Wort.

 

 

Ein dritter Zugang: Er ist schon genannt:

Den Weg mit Jesus gehen, in die Geheimnisse seines Lebens eindringen und sich von ihm prägen lassen.

Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15)

 

Vielleicht wählen Sie ja dann auch Ihr „Lieblingsbild“ aus, das Ihnen besonders viel sagt und bedeutet.

Das Wort wird Bild. Das Bild wirkt Beziehung. Die Beziehung schenkt Leben aus dem Glauben.

 

 

Ich wünsche allen, die heute und in den kommenden Tagen der Österlichen Bußzeit hierher ins Exerzitienhaus kommen eine fruchtbare Begegnung mit der verkündigten Botschaft in den keramischen Werken zu christlichen Themen von Schwester Caritas Müller.

Wenn Sie sich dann auf die Suche nach Ihrem Lieblingswort, ihrer Lieblingskeramik begeben, lassen Sie sich noch einmal inspirieren von Rose Ausländer:

 

Wir wohnen

Wort an Wort

 

Sag mir dein liebstes

Freund

 

Meines heißt

DU

 

 

Franz-Reinhard Daffner                                                                                              Domkapitular

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